Mehrdeutigkeit – Artikel in archithese 4.2017

Warum entdecken Entwerfer derzeit das narrative Potenzial der architektonischen Ruine wieder? Es geht um das Moment der Mehrdeutigkeit: Denn Ruinen erzählen von Kontinuität und Instabilität, Stillstand und Aufbruch, von Krise und Hoffnung, Endgültigkeit und Offenheit. Die neue Ausgabe der archithese fragt nach den der Ruine innewohnenden produktiven Momenten und Qualitäten. Das Heft kreist um Begriffe wie Fragment, Offenheit, Adaptierbarkeit und Mehrfachcodierung und wagt den Versuch, diese als produktive Agenten für die Architektur zu extrahieren. archithese untersucht diese unterschiedlichen Facetten der Ruine mit der Intention, sie zu einem neuen Theoriegebäude zusammenzusetzen.

Wie immer fragen wir nach der Anwendbarkeit dieser Theorien für die architektonische Praxis, indem wir Arbeiten wichtiger zeitgenössischer Protagonisten zeigen, die sich von der Beschäftigung mit Ruinen inspirieren lassen. Im Heft finden sie Interviews mit Arno Brandlhuber und dem Chinesischen Pritzker-Preisträger Wang Shu. Weitere Hinweise liefert ein Essay zur «Ruine als Denkmodell» von Christian Inderbitzin und die Besprechung des UTEC-Campus in Lima, der beispielhaft für die Haltung von Grafton Architects steht. Hannes Siefert kreist in einem Glossar aus acht wichtigen Begriffen rund um die Mehrdeutigkeit der Ruine. Ausserdem lesen Sie einen Aufsatz von Andri Gerber zur historischen, soziokulturellen und politischen Bedeutung der Ruine, während sich Ilka Brinkmann dem Werk Gordon Matta-Clarks widmet und wiederum einen Bogen zum aktuellen Architekturdiskurs spannt.